Chortyzja: Insel der Macht, Wiege der Kosaken und Tor zur Geschichte

Die Nationale Naturschutzinsel Chortyzja, mitten im mächtigen Dnepr in Saporischschja gelegen, ist nicht nur die größte Flussinsel der Ukraine, sondern ein wahres Kraftzentrum (Ort der Macht), wo der Ruhm der Saporoger Kosaken entstand und aufblühte. Es handelt sich um einen einzigartigen Komplex, der Geschichte, Archäologie, Kultur und seltene Naturlandschaften harmonisch vereint. Für Touristen, die dem Trubel der Stadt entfliehen, die Stille genießen und den Geist der Freiheit spüren möchten, ist Chortyzja ein Muss. Die Insel, 12,5 km lang und bis zu 2,5 km breit, ist ein staatliches historisch-kulturelles Schutzgebiet, das eine jahrtausendealte Geschichte erzählt – vom Paläolithikum bis zur Gegenwart. Sie ist eines der Sieben Wunder der Ukraine und gilt als Wiege des nationalen Geistes.

 

Der Kosakengeist: Historisch-Kultureller Komplex „Saporoger Sitsch“

 

Die Hauptattraktion von Chortyzja ist zweifellos der Historisch-Kulturelle Komplex „Saporoger Sitsch“. Dies ist ein verallgemeinertes Abbild der Kosakenhauptstadt des 16. bis 18. Jahrhunderts, das nach dem Vorbild tatsächlich existierender Sitsche errichtet und auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschung nachgebaut wurde. Der Komplex diente als Filmkulisse für den Film „Taras Bulba“.

Ein Tourist, der hierherkommt, fühlt sich in die glorreiche Zeit der Kosaken zurückversetzt:

  1. Befestigungsanlagen: Der Komplex ist von einem hohen Palisadenzaun, Festungsmauern und einem Graben umgeben, was die Verteidigungstraditionen der Kosaken widerspiegelt. Besucher können durch das Haupttor der Sitsch gehen.

  2. Kultzentrum: Im Zentrum der Sitsch erhebt sich die hölzerne Pokrowska-Kirche (Kirche des Schutzes der Heiligen Mutter Gottes), in der die Kosaken vor Feldzügen beteten und ihren Eid ablegten.

  3. Innerer und Äußerer Kosch: Man kann die Häuser der Kosakenältesten, die Kanzlei, das Zeughaus (Pushkarnya), die Sitsch-Schule sowie die Kurens (Kasernen), in denen die Saporoger lebten, besichtigen. Auch Alltagseinrichtungen sind nachgebaut: eine Schmiede, eine Töpferei und eine Taverne (Korchma).

  4. Pferdetheater: In der Nähe der Sitsch finden häufig Vorführungen des Pferdetheaters „Saporoger Kosaken“ statt, bei denen Elemente des Kosakenkampfes, die Beherrschung des Säbels, das Speerwerfen und unglaubliche Reittricks (Dzhigitovka) demonstriert werden. Es ist eine lebendige Show, die den ungebrochenen Geist und die Meisterschaft der Saporoger vermittelt.

Jahrtausende vor den Kosaken: Skythenlager und Heiligtümer

 

Die Geschichte Chortyzjas beschränkt sich nicht nur auf die Kosaken. Die Insel war ein wichtiger Transitpunkt auf dem „Weg von den Warägern zu den Griechen“ und ein Ort, an dem zahlreiche alte Zivilisationen ihre Spuren hinterlassen haben.

 

Skythenlager

 

Im südlichen Teil der Insel befindet sich der Gedenk- und Tourismuskomplex „Skythenlager“. Dies ist ein einzigartiges Gebiet, in dem mehr als zwei Dutzend alte Kurgane – skythische Grabhügel – erhalten geblieben sind. Auf den Kurganen sind Steinskulpturen (Kamenna Baba) – anthropomorphe Statuen, die einst die Gräber kennzeichneten – aufgestellt. Vom „Skythenlager“ aus eröffnen sich unglaubliche Panoramen auf die Auen und den Fluss Dnepr, die sich ideal zum Fotografieren eignen.

 

Orte der Macht: Antike Heiligtümer

 

Archäologische Ausgrabungen haben auf Chortyzja zahlreiche megalithische Bauwerke und Heiligtümer freigelegt, deren Alter bis in die Kupfer- und Bronzezeit (4. bis 3. Jahrtausend v. Chr.) zurückreicht.

  • Chortyzja-Labyrinth: Aufschüttungen in Form einer Spirale oder eines Labyrinths, die wahrscheinlich für rituelle Zeremonien genutzt wurden und als eine Art Observatorien dienten.

  • Heiligtümer-Cromlechs: Steinkreise, die bezeugen, dass die Insel schon vor der Ankunft der Slawen ein wichtiges sakrales Zentrum war.

Der Besuch dieser Orte vermittelt ein besonderes Gefühl der Verbundenheit mit der tiefen, vorchristlichen Geschichte des Kontinents.

 

Natur und Landschaftsschutzgebiet

 

Chortyzja ist ein einzigartiges Naturlabor. Aufgrund ihrer Lage und des Einflusses der Dnepr-Stromschnellen sind hier seltene Landschaften erhalten geblieben, darunter Steppen, Eichenhaine, Auenwiesen und sogar kleine Seen.

  1. Vielfalt der Ökosysteme: Der nördliche Teil der Insel besteht aus hohen Granitfelsen (bis zu 50 Meter), die mit dichten Wäldern bedeckt sind, während der südliche Teil aus tiefliegenden Auenwiesen und Seen (dem sogenannten Großen Lug) besteht, der Heimat einer Vielzahl von Vögeln und Tieren ist.

  2. Saporoger Stromschnellen: Vor dem Bau des Dnepr-Wasserkraftwerks (1932) befanden sich bei Chortyzja die berühmten Dnepr-Stromschnellen, die bereits in Chroniken erwähnt werden. Heute sind die meisten Stromschnellen überschwemmt, aber die Insel selbst symbolisiert ihre Erhabenheit. Vom Norden Chortyzjas aus eröffnet sich ein majestätischer Blick auf das Dnepr-Wasserkraftwerk (DniproHES) – das größte Wasserkraftwerk am Dnepr.

  3. Flora und Fauna: Auf der Insel sind viele Relikt- und Endemitenpflanzen zu finden. Es ist ein ausgezeichneter Ort für Wanderungen und Radtouren sowie zur Vogelbeobachtung.

Dnepr-Flottille und Unterwassergeschichte

 

Chortyzja ist eng mit der militärischen Schifffahrt verbunden. Im Bereich der Insel fanden Archäologen einzigartige Artefakte – Kosakenboote (Tschaikas) und Brigantinen aus dem 18. Jahrhundert, die versenkt wurden, um sie nicht in Feindeshand fallen zu lassen.

  • Museum für Schifffahrt: In den restaurierten Hallen werden die vom Grund des Dnepr geborgenen Schiffe aufbewahrt. Dies ist eine faszinierende Ausstellung, die einen Einblick in das Niveau des Kosaken-Schiffbaus und der Militärtechnik gibt. Hier befindet sich auch das Museum der Geschichte der Saporoger Kosaken (derzeit in Rekonstruktion oder mit Einschränkungen).

 

Praktische Tipps für Touristen

 

Chortyzja ist die größte Flussinsel, daher sollte man für eine vollständige Besichtigung mindestens ein oder zwei Tage einplanen.

  • Transport: Die Insel ist mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln über die Preobrazhensky-Brücken oder die Bogenbrücke erreichbar. Die optimale Fortbewegungsart auf der Insel ist das Fahrrad, das gemietet werden kann.

  • Aussichtsplattformen: Besuchen Sie unbedingt den Hügel der Einheit – eine neue Aussichtsplattform mit der symbolischen Installation „Kreis der Einheit“, von der aus sich das beste Panorama auf das DniproHES, den Fluss und die Stadt Saporischschja eröffnet.

  • Wasserausflüge: In der wärmeren Jahreszeit empfiehlt sich eine Bootsfahrt um die Insel. Vom Wasser aus ergeben sich unglaubliche Blickwinkel auf die Felsen und Befestigungsanlagen, die vom Land aus unmöglich zu sehen sind.

  • Essen und Unterkunft: Auf dem Gelände des Komplexes „Saporoger Sitsch“ gibt es Tavernen (Korchmas) mit traditioneller Küche. Auf der Insel gibt es Hotels, und am Touristenstrand ist das Zelten erlaubt.

 

Fazit: Die Unzerbrechliche Seele der Ukraine

 

Die Insel Chortyzja ist nicht nur eine Touristenattraktion, sie ist ein Zeuge einer tausendjährigen Geschichte und die Wiege des nationalen Bewusstseins. Es ist ein Ort, an dem die majestätische Natur der Dnepr-Stromschnellen auf die Macht der Befestigungsanlagen trifft, an dem sich skythische Kurgane und Kosakenkasernen verschränken. Für ausländische und inländische Touristen bietet Chortyzja ein einzigartiges Bildungs- und emotionales Erlebnis, das es ermöglicht, die unzerbrechliche, heldenhafte Seele der Ukraine nicht nur zu sehen, sondern auch zu fühlen. Es ist ein absolutes Muss für jeden, der die Geschichte und den Geist einer großen Nation verstehen möchte.

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